Nahrungsergänzungsmittel sind mittlerweile allgegenwärtig. Vitamine, Mineralstoffe, Omega-3-Fettsäuren, Proteinpulver und viele weitere Produkte versprechen, Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu unterstützen.
Doch eines ist mir dabei besonders wichtig: Nicht jeder Mensch braucht automatisch Nahrungsergänzungsmittel. Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung bildet immer die Basis. Nahrungsergänzungsmittel sollen – wie der Name schon sagt – ergänzen und nicht eine ausgewogene Ernährung ersetzen.
Testen – messen – gezielt ergänzen
Gerade bei Vitaminen und Mineralstoffen bin ich kein Fan davon, einfach „auf Verdacht“ möglichst viele Präparate einzunehmen. Wo es sinnvoll und möglich ist, sollte zuerst geschaut werden:
Mein Ansatz lautet daher: testen – messen – gezielt ergänzen – und kontrollieren. Dabei setze ich ganz bewusst auf interdisziplinäre Zusammenarbeit. Mein Team besteht aus einer Diätologin sowie Ärztinnen und Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen. So können wir bei Bedarf Laborwerte bestimmen, medizinische Fragestellungen abklären und Ernährung und Supplementierung sinnvoll aufeinander abstimmen.
Wann können Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein?
Es gibt Ernährungsformen und Lebenssituationen, bei denen eine gezielte Ergänzung durchaus sinnvoll oder sogar notwendig sein kann. Ein klassisches Beispiel ist eine vegane Ernährung: Vitamin B12 muss hier zuverlässig ergänzt werden. Je nach individueller Ernährung und Versorgung können auch andere Nährstoffe wie Eisen, Jod, Calcium, Vitamin D, Zink oder Omega-3-Fettsäuren besondere Aufmerksamkeit benötigen. Auch bei einer sehr einseitigen Ernährung, bestimmten Unverträglichkeiten oder wenn ganze Lebensmittelgruppen kaum oder gar nicht gegessen werden, kann es schwieriger werden, alle Nährstoffe ausreichend über die Ernährung abzudecken.
Ein weiteres aktuelles Thema sind GLP-1-basierte Medikamente zur Gewichtsreduktion, umgangssprachlich oft als „Abnehmspritzen“ bezeichnet. Wenn dadurch deutlich weniger gegessen wird, kann auch die Aufnahme von Protein, Vitaminen und Mineralstoffen sinken. Gerade dann sollte nicht einfach wahllos supplementiert, sondern besonders auf die Qualität der Ernährung und eine ausreichende Nährstoffversorgung geachtet werden. Ähnliches gilt bei einer generell sehr niedrigen Energiezufuhr oder bestimmten Formen des Intervallfastens. Intervallfasten alleine bedeutet allerdings nicht, dass Nahrungsergänzungsmittel notwendig sind. Entscheidend ist letztendlich, was und wie viel insgesamt gegessen wird.
Nicht alles muss zuerst im Labor gemessen werden
Nicht jedes Nahrungsergänzungsmittel erfordert vorher eine umfangreiche Labordiagnostik. Proteinpulver kann beispielsweise eine praktische Möglichkeit sein, die tägliche Eiweißzufuhr zu ergänzen – insbesondere bei einem erhöhten Proteinbedarf oder wenn es im Alltag schwierig ist, diesen ausschließlich über Lebensmittel abzudecken. Auch Produkte für den Sport, beispielsweise Elektrolyt- oder Kohlenhydratgetränke, werden je nach Belastung gezielt eingesetzt und haben einen anderen Stellenwert als die Behandlung eines diagnostizierten Nährstoffmangels. Bei Vitaminen, Mineralstoffen und insbesondere höheren Dosierungen bin ich deutlich zurückhaltender. Denn auch bei Nahrungsergänzungsmitteln gilt: Mehr ist nicht automatisch besser.
Manche Nährstoffe können bei unnötig hoher oder langfristiger Einnahme auch unerwünschte Wirkungen haben.
Was ich persönlich ergänze
Natürlich werde ich auch immer wieder gefragt, welche Nahrungsergänzungsmittel ich selbst verwende. Da ich kein Fleisch und keine Wurst esse und Fisch nur gelegentlich – etwa zweimal pro Monat – auf meinem Speiseplan steht, gehört Omega-3 für mich zu meinen regelmäßigen Ergänzungen. Dazu kommen Magnesium und Kreatin sowie immer wieder Proteinpulver, um meine Eiweißzufuhr unkompliziert zu ergänzen.
Dabei spielt natürlich auch mein persönlicher Lebensstil eine Rolle: Ich mache etwa sechsmal pro Woche Sport – vor allem Krafttraining und Tennis. Entsprechend achte ich neben meiner Basisernährung auch auf eine gute Versorgung rund um Training und Regeneration. An Wettkampf- und intensiven Tennistagen kommt zusätzlich eine gezielte Sportverpflegung zum Einsatz. Dazu gehören für mich je nach Dauer und Intensität der Belastung beispielsweise Getränke mit Kohlenhydraten und Elektrolyten.
Wichtig ist mir dabei:
Das ist meine persönliche Strategie und keine allgemeine Empfehlung.
Was aufgrund meiner Ernährungsweise, meines Trainingsumfangs und meiner individuellen Situation für mich sinnvoll ist, muss nicht automatisch für jemand anderen passen.
Ich bin weder grundsätzlich für noch gegen Nahrungsergänzungsmittel. Für mich geht es um einen sinnvollen, wissenschaftlich fundierten und individuellen Einsatz. Die Ernährung ist die Basis. Nahrungsergänzungsmittel können dort unterstützen, wo tatsächlich Bedarf besteht oder die Versorgung über die Ernährung nicht ausreichend gewährleistet werden kann.Deshalb lautet meine Empfehlung:
Gezielt ergänzen, wenn notwendig, statt möglichst viel einnehmen.
Transparenzhinweis: Einige der Nahrungsergänzungsmittel, die ich selbst verwende bzw. mit denen ich arbeite, findet ihr über den nachfolgenden Link.